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  • Thomas Röhrßen

"Do, what you love" - Gung Ho und Generation Z

Aktualisiert: Jan 17




Peggy Sinclair, jung und völlig ohne Führungserfahrung, wird vom Konzernchef, dem „großen alten Morris“ berufen, den schwierigsten Standort der Firmengruppe mit seinen 1500 Mitarbeitern zu leiten. Sein Ziel: sie soll scheitern! Peggys Geschichte kann man nachlesen in dem Buch „Gung Ho! Wie Sie jedes Team in Höchstform bringen.“


Am ersten Tag dieser wahren Geschichte stellt Peggy fest: es handelt sich um eine Firma, welche die „unter freiem Himmel gelagerten Rohmaterialien besser behandelte, als ihre Mitarbeiter.“ Niedergeschlagen lässt Peggy sich auf einer Bank nieder und betrachtet aus der Ferne das hoffnungslose Werk. Ein Mann mit indianischen Gesichtszügen lässt sich auf der anderen Seite der Bank nieder. Sie kommen ins Gespräch. Sie vermutet richtig: er ist der Abteilungsleiter Andy Longelaw, der Indianer, Unruhestifter und Querulant, von dem sie sich nach Empfehlung des Ressortchefs der Endfertigung als erstes trennen müsse. Der Blick auf die Kennzahlen seiner Abteilung irritiert allerdings: sie weicht vollkommen ab, denn bei dieser Abteilung handelt es sich um die produktivste und effizienteste in der gesamten Unternehmensgruppe. Peggy will das Geheimnis des Erfolgs von Andy Longelaw verstehen und bittet ihn, sie zu begleiten und den Geist seiner Mitarbeiter in einem Jahr auf den gesamten Betrieb zu übertragen.


Zunächst erklärt Andy: „Wir sind alle Gung Ho“. Gung Ho ist der Kampfruf einer Elite- einheit der US-Marines und steht für die 3 wichtigsten Prinzipien, mit denen man Teams begeistern und zu Höchstleistungen motivieren kann:


1. Der Geist des Eichhörnchens Der Geist des Eichhörnchens steht für sinnvolle Arbeit! Wer sinnlos arbeitet, kann keine Spitzenleistungen erbringen. Sinnvolle Arbeit wird als wichtig empfunden, als Beitrag zu einem großen Ganzen. Das Eichhörnchen erfüllt in seiner Aktivität den Plan für den Wald. Die meisten Tätigkeiten tragen irgendwie zu einer Verbesserung der Welt bei und sie sind Teil eines umfassenden Unternehmensplans. Fast jeder Job hat einen sozialen Wert. . Bei diesem „Geist“ geht es vor allem auch um Werte und Grundhaltungen, die leidenschaftlich gelebt werden. Die Führung achtet konsequent darauf, denn in puncto Werte gibt es keine Grauzonen und Kompromisse. Andy: „Es ist die Einstellung zur Arbeit, nicht die Arbeit selbst. (…). Warum sind wir hier? Welches sind unsere Ziele? Nach welchen Werten sollen wir uns richten?“.


2. Der Weg des Bibers Das zweite Prinzip fordert von Führungskräften, dass sie wie ein Trainer in einem Fußballteam verbindlich festlegen, wer auf welcher Position spielt, nach welchen taktischen Regeln gespielt wird, wer ausgewechselt werden muss und welche Ergebnisse erbracht werden sollen. Konkrete Ziele werden wie Markierungspfähle in die Landschaft eingeschlagen. Einige Standardsituationen müssen zwar noch eingeübt werden, aber das Spiel ist innerhalb dieses Rahmens dann völlig frei, intuitiv und im besten Fall kreativ. Andy sagt, wenn Mitarbeiter in jedem ihrer Schritte kontrolliert werden oder „man zu wenig von den Menschen verlangt, dann macht man sie nicht glücklich. Dann beleidigt man sie eher.“


3. Das Geschenk der Gans Das dritte Prinzip bedeutet, dass enthusiastische Teams von der täglichen Anerkennung des Einzelnen leben. Andy sagt: Geld ist, wovon wir leben, Selbstbestätigung ist, wofür wir leben. In erfolgreichen Teams bestätigen sich die Teammitglieder gegenseitig. Sie feuern sich an und feiern ihre guten Ergebnisse.


Was bedeutet diese Story für Ihr Unternehmen? Sie weist auf die nahe Zukunft hin. Sie werden Ihre Unternehmenswelt nach Gung Ho umgestalten müssen, sonst droht motivationaler Tiefflug, denn die Generation Z kommt jetzt mit anderen Ansprüchen und ist im Anmarsch auf Ihr Unternehmen. Gerade hatten wir uns an die Generation Y mit Ihrem Anspruch auf „Work-Life-Balance“ gewöhnt und schon kommt die neue flotte Generation Z der Jahrgänge ab 1995. Sie werden von ihren teilweise überfürsorglichen Helikopter-Eltern an den Betrieb abgegeben. Sie wollen offen, ehrlich, transparent, frei und unkontrolliert arbeiten – und zwar in selbstorganisierten Teams und in internetbasierten Working-Out-Loud-Zirkeln, in denen sie ihr Wissen und ihre Erfahrungen mit anderen teilen. Sie leben mindestens in drei Welten: erstens in ihrer privaten Welt, dann noch am Zweitwohnsitz „on the job“ und drittens als „digital natives“ in den social network communities, mit denen sie am Tag viel Zeit verbringen. Sie sind flexibel und fühlen keine hohe Loyalität gegenüber ihrem Unternehmen als Ganzes. Sie leben in einer Welt wechselnder sozialer Gruppen und Netzwerke. Die Experten sind sich zwar schon einig, dass das Y-Prinzip der „Work-Life-Balance“ in der zukünftigen Arbeitswelt nicht mehr so einfach funktioniert. Sie streiten aber zurzeit noch darüber, ob es bei der Generation Z eher zu einer strikteren „Work-Life-Separation“ oder zur endgültigen Verschmelzung von Arbeit und Freizeit im Sinne von „Work-Life-Blending“ kommt. Aus meiner Sicht spielt das für die Z-gerechte Gestaltung der Arbeitswelt keine so große Rolle, denn – selbst wenn die neue Generation die Arbeits- von der Privatsphäre stärker trennen wird – ist doch klar: auch die Arbeitswelt sollte aus ihrer Sicht vor allem Sinn und dann auch noch Spaß machen.


Charles Bahr (ein Z-ler aus dem Jahrgang 2002), der Gründer des Generation-Z-Beratungsunternehmens Tubeconnect, stellt in seinem XING-Beitrag jedenfalls die Leidenschaft über die Balance: „Der Gen Z geht es um Spaß, um Leidenschaft für das, was man tut. Der Trend, den ich wahrnehme, trägt vielmehr die Überschrift `Do what you love`.“


In dieser Welt könnte mein persönlicher, recht provokanter Sinnspruch gelten: „Arbeit ist wie Freizeit, wird nur besser bezahlt!“


Den Führungskräften, die nun gern an die Motivations- und Lustlosigkeit vieler „junger Leute“ in ihrem Unternehmen erinnern, sei gesagt: Wenn die kulturelle DNA dieser Generation wirklich so ist, wie beschrieben, dann sollten Sie dem Sinn- und Spaßfaktor gerecht werden, um den Nachwuchs zu binden. Und das hat mit Geld nur wenig zu tun. Was stiftet Sinn und was ist Ihr Spaßprogramm?


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