Auch 2026 souverän bleiben, selbst wenn es eng wird. Die 9 Prinzipien der Souveränität!
- Thomas Röhrßen
- vor 5 Tagen
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(Aktualisierter) Beitrag zum neuen Jahr von Thomas Röhrßen
Es hat sich in einem Jahr nicht viel zum Positiven verändert, oder? Immer noch Krieg in der Ukraine, Gaza-Streifen bleibt Krisengebiet, weiter Vormarsch der Autokraten, USA greifen militärisch in Venezuela ein, Europa unter Druck, Wirtschaftsdepression und Infrastrukturdefizite in Deutschland, Krise im Gesundheitswesen und allgemeiner Fachkräftemangel. Aktuell stehen manche auch unternehmerisch mit dem Rücken an der Wand. Wir leben in unsicheren Zeiten.
Wie kann man in diesen Zeiten souverän bleiben? Und was heißt eigentlich "souverän"? Welchen Beitrag leistet die Psychologie zur Souveränität? Der Löwe, mächtig und majestätisch, stolz ohne Hochmut und bei allem: gelassen. Der Löwe, ein Souverän! Er symbolisiert viele Facetten dieser psychologischen Kraft.
Die KI beschreibt „souverän“ als einen Zustand oder eine Eigenschaft eines Menschen,„der über eine selbstbestimmte Autorität, Kontrolle oder Unabhängigkeit verfügt. Es bedeutet, in einer Situation selbstbewusst, gelassen und überlegen zu sein“
ES IST NICHT DIE WELT, ES IST UNSER HALTUNG ZUR WELT!

Die erste Botschaft: Die eigentlichen Hindernisse sind nicht in der Welt da draußen, sondern tief in unserem Inneren.
Unser Gehirn (er-) schafft sich seine Probleme und Hindernisse selbst. Mindset! Autosuggestion! Problemhypnose!
Das wußten schon die griechischen Philosophen, insbesondere die sogenannten Stoiker, allen voran Epiktet.
Die zweite Botschaft: Wenn der Ursprung dieser Hindernisse vor allem in uns liegt, dann sind wir auch die souveräne Quelle der Veränderung!
Dann können wir (uns) gestalten!
Das Ziel der griechischen Stoiker: Die Entwicklung einer Grundhaltung produktiver Gelassenheit im Angesicht der Krisen dieser Welt.
Aus meiner Sicht gibt es vor allem 9 Prinzipien, die unsere Souveränität begründen:
interne Kontrollüberzeugung
ausgeprägte Selbstwirksamkeitserwartung
emotionale Stabilität
hohes Selbstwertgefühl
Starke Motive, Sinn und Werte
Nähe zu den Menschen
Autonomie
Selbstvergessenheit
ernstgemeinte Heiterkeit.
Eine souveräne Gelassenheit und "Löwenkraft" ist eng mit dem psychologischen Konzept der Core Self Evaluations (CSE) verbunden ist. Hieraus ergeben sich die ersten 4 Dimensionen, die unser ganzes Selbst- und Welterleben prägen:
Kontrollüberzeugung
Selbstwirksamkeitserwartung
Emotionale Stabilität und
Selbstwertgefühl
Im Einzelnen:
PRINZIP 1: INTERNE KONTROLLÜBERZEUGUNG Ich habe die Kontrolle - wenigstens über mich!
Die Verunsicherten sehen sich eher fremdbestimmt von anderen Menschen, von äußeren Gegebenheiten oder dem persönlichen Schicksal. Das Gefühl, keinen großen Einfluss zu haben, dominiert. Das nennen wir eine externe Kontrollüberzeugung. Die Souveränen hingegen haben eine interne Kontrollüberzeugung - das Gefühl, alles irgendwie doch unter Kontrolle zu haben. Man bleibt Regisseur in seiner Welt und glaubt fest daran, dass man immer ausreichend Einfluss nehmen und gestalten kann. Und wenn äußerlich nichts geht, dann ändert man sich eben selbst. Mit Gelassenheit und Akzeptanz nimmt man die Dinge an, die man nicht ändern kann:
"Man gebe mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann, den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann, und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden." (in Anlehnung an das Gelassenheitsgebet nach Karl Paul Reinhold Niebuhr)
PRINZIP 2: AUSGEPRÄGTE SELBSTWIRKSAMKEITSERWARTUNG Ja, ich kann es!
Die Verunsicherten haben vor allem in Engpässen und Krisen das Gefühl, nicht ausreichend über eigene Fähigkeiten und Ressourcen zu verfügen, um den Anforderungen gewachsen zu sein. Eine geringe Selbstwirksamkeitserwartung und manchmal eine gelernte Hilflosigkeit. Die Souveränen hingegen haben das Gefühl, über alles zu verfügen, was sie brauchen. Sie glauben an ihre Kompetenz und Wirksamkeit auch in der Krise - eine ausgeprägte Selbstwirksamkeitserwartung: „Yes, I can“.
Kommt man einmal nicht allein zurecht, dann bleibt man ruhig, denn man hat im eigenen Mindset immer noch einen Schlüssel in der Hand: die tiefe Überzeugung, im eigenen Netzwerk die richtige Unterstützung zu bekommen.
PRINZIP 3: EMOTIONALE STABILITÄT Im Grunde und am Ende ist alles gut!
Die Verunsicherten werden beim Blick in die Welt immer wieder von Ängsten, Sorgen und negativen Vorahnungen geplagt. Sie sind angesichts von Krisen dünnhäutig und emotional labil. Ihnen fehlt die Gewissheit, dass es am Ende gut wird. Die Souveränen sind grundsätzlich zuversichtlich und emotional stabil auch in Krisen. Die Souveränen erhalten sich eine emotionale Distanz zum düsteren Geschehen und fühlen eine hohe Zuversicht, ohne die Realität zu verleugnen.
Ganz im Sinne von Oscar Wilde: „Am Ende wird alles gut. Und wenn es noch nicht gut ist, dann ist es nicht das Ende“.
PRINZIP 4: HOHES SELBSTWERTGEFÜHL Ich bin ok und mit mir selbst im Reinen.
Die Verunsicherten hadern häufig mit sich selbst, wenn etwas schief läuft. Und sie nehmen Kritik gern auch mal persönlich: „Dann bin ich nicht ok.“ Die Souveränen ganz im Gegenteil: Sie erhalten sich bei persönlichen Fehlern, Krisen und im Scheitern einen positiven Selbstwert, den sie aus ihrer Sicht immer verdient haben. Ihr Selbstwert bleibt bei Kritik und in Krisen stabil. Sie sind einfach nicht zu irritieren und zu kränken. Egal was ist, für sie gilt der Satz: „Ich bin ganz ok!“
Neben diesen 4 zentralen Selbstbewertungen (Core Self Evaluations) gibt es 5 weitere Facetten der Souveränität, die unbedingt einzubeziehen sind:
die Sinnstiftung und Ausrichtung auf Werte
die Nähe und Verbundenheit zu den Menschen
die individuelle Selbstbestimmung
die Selbstvergessenheit im Flow-Erleben und
die ernstgemeinte Heiterkeit.
PRINZIP 5: STARKE MOTIVE, SINN UND WERTE Ich kenne meine Bedürfnisse. Ich entdecke immer wieder Sinn für mich.
Machen Sie doch einfach morgen früh mal eine Übung: Fragen Sie sich vor dem Aufstehen, wofür es sich lohnt, aufzustehen. Wenn Ihnen nichts einfällt, bleiben Sie erstmal liegen. Suchen Sie dann einfach weiter nach den inneren Treibern, die Sie wohlgelaunt und entschlossen aufstehen lassen. Haben Sie es?
Wenn ja, dann haben Sie einen Sinn gefunden und einen Wertekompass fürs Leben.Viktor Frankl, der Psychiater und Begründer der Logo-Therapie (von Logos = Sinn) sagt:
„Das Leben hat unter allen Umständen Sinn; sei es durch Gestalten einer Situation oder im tapferen Ertragen des Unabänderlichen!“.
Viktor Frankl weiß, wovon er spricht. Er hat in der Nazizeit mehrere Konzentrationslager u.a. auch deshalb überlebt, weil er dem existenziellen Durchhalten einen Sinn gegeben hat. Wer dem Leben Sinn verleiht und auch dem Leiden einen Sinn abringt, der steht auf und meistert sein Leben. Die Verunsicherten wissen nicht, was sie wollen. Die Souveränen hingegen haben einen klaren Wertekompass, findet ihren Sinn und haben einen Auftrag im Leben. Sie richten ihr tägliches Leben konsequent daran aus.
PRINZIP 6: NÄHE ZU DEN MENSCHEN Ich bin den Menschen nah und verbunden. Ich bin resonant.
Die Verunsicherten sind misstrauisch, halten vorsichtig Distanz und fühlen sich in der Gemeinschaft nicht immer vertrauensvoll getragen. Die Souveränen hingegen bauen unkompliziert Nähe auf und können sie in der Tiefe zulassen. Sie spüren Resonanz und Empathie im Umgang mit anderen Menschen. Sie erkennen das Allgemeine und Gleiche, das uns alle verbindet und sie erkennen und tolerieren die Unterschiede. Ihre Souveränität ist auch darin begründet, dass sie mitfühlen und verstehen können. Es gelingt ihnen auch, negative Emotionen und Spannungen in der Beziehung auszuhalten. Auch dann bleiben sie zugewandt und nah.
PRINZIP 7: AUTONOMIE Ich bin ganz klar und selbstbestimmt. Ich kann mich abgrenzen.
Die Verunsicherten sind manchmal hoffnungslos verstrickt in ihre sozialen Beziehungen. Sie können sich nicht gut abgrenzen und sich nicht ausreichend für eigene Bedürfnisse und Interessen einsetzen. Die Souveränen hingegen wahren bei aller Nähe immer auch die eigene Autonomie. Sie können ihre ureigenen Bedürfnisse und Interessen im Kontakt mit anderen Menschen ausdrücken und verwirklichen. Sie sind innerlich unabhängig. Wer verbunden und selbstbestimmt ist, der hat das, was der Familientherapeut Helm Stierlin „bezogene Individuation“ nennt: Nähe und Autonomie in gelungener Balance.
„Ein sozial kompetentes Verhalten ist dadurch gekennzeichnet, dass der Akteur seine eigenen Ziele erfolgreich verwirklicht, dabei gleichzeitig aber die Interessen der hiervon betroffenen Menschen achtet. Im Idealfall trägt soziale Kompetenz mithin zur Interessenverwirklichung aller Parteien bei.“ (Uwe Peter Kanning. Diagnostik sozialer Kompetenzen. Göttingen 2009. S. 9)
PRINZIP 8: SELBSTVERGESSENHEIT
Ich kann mein Selbst vergessen und ganz im Flow aufgehen.
Die Verunsicherten klammern sich an ein festes Selbstbild und ihr Ego. Souverän ist aber, wer sein Selbst auch mal loslassen, den Zustand der Ich-Bezogenheit verlassen und sein Ego abschalten kann. Neurowissenschaftler haben entdeckt, dass unser Gehirn auf das sogenannte „Default Mode Network“ (Ruhezustandsnetzwerk) umschaltet, wenn wir nicht zielorientiert, aufmerksam und fokussiert auf etwas sind. In diesem tagträumerischen Zustand sind wir selbstvergessen. Wir dösen auf hohem Niveau. Denn in diesem spontanen Spiel der Assoziationen im Gehirn liegt nicht nur der Ursprung von negativen Gedankenschleifen und Grübelattaken (vgl. Stefan Kölsch: Die dunkle Seite des Gehirns. 2024). Es ist auch eine Quelle der Kreativität. Die Souveränen nutzen diese selbstvergessene und unterbewusste Kraft, die ihr Selbst ständig verändert und erweitert.
PRINZIP 9: ERNSTGEMEINTE HEITERKEIT Ich kann das Schwere anerkennen und es in Leichtes verwandeln.
Es gibt kaum evidenzbasierte Hinweise auf eine weitere Facette der Souveränität, die ich nicht unerwähnt lassen möchte: die ernstgemeinte Heiterkeit.
„Ein heiterer Mensch zu sein, bedeutet nicht, das Schwere zu ignorieren, sondern es in etwas Leichtes zu verwandeln.“ (Axel Hacke, Über die Heiterkeit in schwierigen Zeiten, 2023).
Wir greifen auf die Methode des Re-Framing zurück (frame = Rahmen). Wir geben dem schweren Geschehen einen neuen leichteren und annehmbareren Bedeutungsrahmen für uns. Damit verändern wir unsere Wirklichkeitskonstruktion im Kopf, ohne die teilweise bittere Realität zu verleugnen. Einem hoffnungslos zerstrittenen Paar sagen wir dann nicht „Oh Gott, wie schlimm“, sondern: „Unglaublich, ich bin beeindruckt über so viel Leidenschaft im Kampf. Ihr seid euch anscheinend nicht gleichgültig, kämpft noch und wollt noch etwas voneinander“. Ist diese Aussage nicht zutreffend?
Bei allem also: Frohes Neues Jahr!

Thomas Röhrßen ist Dipl.- Psychologe, Managementcoach und Unternehmensberater.
Er führt seit 35 Jahren Projekte zur Strategie- und Strukturentwicklung sowie zur Personalentwicklung und Führungsqualifizierung in Unternehmen unterschiedlicher Branchen durch.
In seinen Büchern "Leadership Performance Krankenhaus - Die Praxis der Führung für Ärztinnen und Ärzte" (zusammen mit Dietmar Stephan in der Medizinisch Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft Berlin 2021) sowie "Leadership Pflege" (zusammen mit Martina Oldhafer im Kohlhammer Verlag Stuttgart 2025) stellt er den von ihm entwickelten LEADERSHIP PERFORMANCE NAVIGATOR vor.
